Die Verwandlung

Die Verwandlung

Das elfmalige Schlagen der Kirchturmuhr weckte mich aus meinem kurzen Schlummer. Immer noch das Märchenbuch in der Hand, von der allabendlichen Vorlesestunde, hielt ich meine zwei eingeschlafenden Betthupferl im Arm. Die Kinder waren schon längst in das Land der Träume eingetaucht und klammerten sich mit sanftem Griff links und rechts in meine Oberarme.

Wie süß meine Beiden sein können wenn sie schlafen. Vorsichtig befreite ich mich aus der Umklammerung und legte das Buch auf den Nachtschrank, das schon mit etwas Anstrengung verbunden war, denn das Schlafzimmerbett, war wirklich äusserst groß, selbst zu Dritt in der Mitte, hatten wir noch recht viel Platz nach Außen. Ich nahm zuerst meine kleine Tochter sanft in meine Arme um sie dann in ihr Bett zu bringen, danach trug ich den großen vorsichtig in sein Zimmer.

Beim vorbeihuschen an der Küche, sah ich die große Küchenuhr, es war schon nach 23 Uhr. Nachdem mein Sohn in seinem Bett lag, schaute ich mich suchend in der Wohnung um, meine Frau ward noch nicht da. Das ist sehr merkwürdig, denn sonst ist sie bisher immer spätestens 21 Uhr von ihren Freundinnen zurück oder gibt per SMS eine Info was los ist.

Ich setzte mich in die Küche und lauschte dem komatösen ticken der großen Küchenuhr, es war ansonsten sehr still in der Wohnung, nur das ticken zerschnitt die Zeit in kleine Häppchen. Ich schaute auf mein Handy, keine Nachrichten, keine Anrufe, Akku lag auf 60 Prozent, Empfangsstärke bei 90 Prozent. Ich entschloss mich anzurufen, tut tut… der von ihnen gewünschte Teilnehmer ist derzeit nicht erreichbar. Am geistigen Horizont, stieg langsam ein großes Sorgengewölk empor. Warum nicht erreichbar, die Handys werden doch jede Nacht aufgeladen ? Ich versuchte es nochmal, vielleicht war ja das Netz überlastet. Tut tut… der von ihnen gewünschte Teilnehmer ist derzeit nicht erreichbar. Mit einem schweren seufzen stand ich auf und ging langsam in Richtung Wohnzimmer, nachdenklich klopfte ich mit der Handyatenne gegen meine Zähne. Wo könnte Sie sein ? Für ein Einkaufszentrum ist es einfach zu spät und in Tiefgaragen geht sie nicht allein. Vielleicht doch ein Unfall ? Ich zerstreute die Gedanken mit dem Unfall – es wäre unwahrscheinlich das der Unfall so schwer ist, das das Handy gleich komplett ausser Funktion gesetzt wird.

Tiefe Sorgenfalten kennzeichneten meine Stirn, eine starke innere Unruhe nahm immer mehr Besitz von mir. Inzwischen war es Mitternacht und kein Lebenszeichen meiner Frau. Die Gedanken pendelten in alle wilden Richtungen. Vielleicht ist sie ja bei einem anderen Mann ? Damit könnte ich im Moment leben, dann wüsste ich das es ihr gut gehe, aber warum dann nicht eine bessere Tarnung ? Nein, sie war nicht der Typ der fremd geht, eine Aussprache falls es Probleme wäre angebrachter. Aber wir hatten schon oft Aussprachen… ja wir hatten viele, es kriselte sehr oft seit wir Kinder hatten. Es blieb wenig Zeit für uns, wir brachten die meiste Zeit für die Kinder auf, von der einst so innigen Liebe, der Leichtigkeit und der gegenseitigen Motivation ist nur noch wenig übrig geblieben. Wir verstehen uns noch gut, aber die Momente der Liebe beschränken sich meist nur noch auf Feiertage oder die seltenen Momente wo wir mal kinderlos sind. Frust machte sich in unserer Beziehung immer mehr breit, allein wenn man an die ersten Monate unserer großen Liebe zurück dachte, sie war so erfüllend und voller Wärme… der Grund warum wir Kinder haben wollten. Doch Kinder verändern das Leben nicht nur ins Positive. Gerade wenn man nebenher noch berufstätig sein muss, dann bleibt oft nur verschwindend wenig für die Partnerschaft über. Aber ist dies ein Grund für die Affaire ? Ist dies nicht eher ein Grund gemeinsam nach neuen Wegen zu suchen ? Ich persönlich klammere mich immer an die Hoffnung, das mit steigendem Alter der Kids, die Selbstständigkeit auch zunimmt und wir dann wieder zueinander finden. Aber das änderte nichts an der derzeitig niederen Reizschwelle meiner Frau. Manche Männer würden sie umgangssprachlich sicherlich als Drachen beschreiben, aber sie war mal anders und ich hoffe das dies zurückkommt. Heutzutage ist sie wirklich dauernd überdreht und nur noch am schimpfen und ihre einst so zuckersüße Zunge, ist heute nur noch messerscharf und kalt wie Stahl. Doch es wird sich irgendwann wieder ändern… hoffe ich. Jeder verarbeitet es anders. Nein, sie ist nicht der Typ für eine Affaire. Welcher Typ ist denn der Typ für eine Affaire ? Fürs und Wieders trommelten in meinem Kopf, war es nun ein Unfall, hat sie die Zeit vielleicht auf einer Party vergessen, ist sie bei einer Freundin eingeschlafen, liegt Sie irgendwo im Krankenhaus ?

Da ich es nicht mehr aushielt, durchsuchte ich unsere Wohnung nach Telefonnummern, auch wenn ich mich lächerlich mache, ich rufe jetzt (0:15 Uhr) bei ihren Freundinnen an. Wo war es denn, das kleine rote Telefonbuch mit ihren privaten Nummern… Nachdem ich das halbe Schlafzimmer vorsichtig, um die Kinder nicht zu wecken, auf den Kopf gestellt habe fand ich es dann auch. Es waren aktuell nicht mehr viele Nummern. Die meisten waren durchgestrichen, viele Freunde verabschieden sich wenn man Familie hat. Zumindest die, die keine haben. Denn mit Familie ist man gebundener und kann nicht mehr spontan zu einer Mitternachtsfete aufbrechen oder einfach Kurzurlaub in einem zufälligem Land der Wahl machen. Zu meinem Vorteil, das erleichterte die Suche. Ganze fünf Telefonnummern blieben noch zur Auswahl übrig.

Ich schnappte mir das Festnetztelefon und rief die erste an: “Guten Abend, verzeih die Störung, aber ist Jennifer zufällig bei Dir ?”. “Nein tut mir leid, habe sie schon lang nicht mehr gesehen oder gesprochen.” entgegnete die Frauenstimme am anderen Ende. Ich wünschte eine gute Nacht und entschuldigte mich nochmal für die Störung und legte schnell auf. Die nächsten drei Anrufe führten zu ähnlichen Ergebnissen. Auf der letzten Nummer nahm niemand ab. Meine Gedanken wurden nur noch wilder. Völlig aus der Bahn versuchte ich wieder sie auf ihrem Handy zu erreichen… tut tut der von ihnen gewünschte Teilnehmer, ist derzeit nicht erreichbar.

Wüste Horrorstories wechselten sich in meinem Kopf ab, ich beruhigte mich damit, das es nie so schlimm ist wie man denkt, es wird etwas harmloses dahinter stecken, etwas ganz banales, vielleicht lacht man noch gemeinsam drüber. Aber was wenn nicht ? Ich bin ein sehr kontrollierter Mensch und ich hasse Ungewissheit, aber ich denke das tut jeder Mensch. Wie kann sie mir das antun ? Sie meckert doch auch bei der kleinsten Verspätung und verlangt das ich immer erreichbar und mich melde wenn etwas unvorhergesehenes dazwischen kommt. Eigentlich wäre ich noch mehr der Typ der sich mal nicht meldet, aber ich bin dann immer erreichbar.

Ich saß wieder am Küchentisch, trommelte mit den Fingern nervös auf dem roten Telefonbuch, inzwischen hatte sich das Örtliche dazugesellt. Ich würde gern die Strecke mit dem Auto absuchen, aber ich habe Kinder hier, ich kann sie nicht allein lassen. Bei den Schwiegereltern anzurufen geht nicht, sie müssen auch früh raus und was ist wenn ich mir völlig zu Unrecht sorgen mache. Kann man sich eigentlich zu Unrecht sorgen machen ? Nachher setze ich hier alles in Bewegung und dann alles für die Katz. Ja aber dann ist es wenigstens für die Katz. Ein tiefes Seufzen folgt dem Anderen. Diese Situation macht einen aber doch auf die alten Gefühle aufmerksam. Wenn sie mir nicht so wichtig wäre, würde es mich nicht so stark beschäftigen. Warum merkt man immer in solchen Situationen wie sehr man jemanden liebt ? Jennifer, mach nur keinen Mist – betete ich insgeheim.

Ein Uhr war verstrichen, an Schlaf war keinesfalls zu denken, völlig mit Adrenalin zugepumpt wählte ich mechanisch immer und immer wieder ihre Handynummer. Plötzlich klingelte es, ja es klingelte, mein Herz raste, ihr Handy war wieder an, Gott sei dank, komm geh ran Kleines – aber es klingelte und klingelte, niemand nahm ab. Wie kann man das Handy anschalten und dann nicht ran gehen, man sieht doch wer anruft. Warum sie nicht ran ? Warum nimmt sie um Gottes Willen nicht ab ? Ich rief weiter an, egal ob ich dann irgendwo als störischer Ehemann dastehe der hinterher telefoniert, es ist mir egal, ich will nur hören das es ihr gut geht. Beim vierten oder fünften durchklingeln wurde dann abgenommen. Ich meldete mich sofort ganz hektisch: “Hallo, Jennifer… alles ok bei Dir ? Was ist los ?” Auf der anderen Seite antwortete eine Frauenstimme mit türkischem Akzent: “Jennifer ist derzeit nicht zu sprechen” und legte auf.

Das war nun ganz unerwartet… ich hatte immer noch das Handy in der Hand mit dem tuten des Besetztzeichens. Nun war ich entgültig verwirrt… wer war diese Frau ? Und warum um Gottes willen ist Jennifer nicht zu sprechen ? Ich meine ich bins, ihr Ehemann, wenn nicht für mich, für wenn sollte sie dann zu sprechen sein ? Eine Frau mit türkischem Akzent…. Wilde Fantasien konnten sich nun ungehindert in meinem Sorgengewitter entfalten und durchzuckten wie Stroboskopblitze meine Gedankenwelt. Mein Kopf begann zu rattern, mir war keine Frau aus dem Bekanntenkreis bekannt die Türkin war. Ich kannte insgesammt keine Türken persönlich. Wie kommt Jennifer zu dieser Dame oder wie kommt Sie an ihr Handy und vor allem warum geht Sie nicht selbst ran ? Warum darf ich Sie nicht sprechen ? Warum gibt Jennifer mir nicht Bescheid ? Weiss sie nicht wie schlimm es ist, wenn man sich um einen geliebten Menschen sorgt ?

Natürlich rief ich sofort wieder an, so lass ich mich nicht abspeisen. Ich versuchte es immer und immer wieder, lies das Handy wieder ausklingeln und rief sofort neu an, jedoch wurde es dann wieder ausgeschaltet. Was soll das ? Das ist doch der totale Psychoterror ? Sowas macht man nicht mit jemanden den man liebt… liebt sie mich nicht mehr ? Aber immerhin ist hier ja nicht nur ihr Mann, ich rufe ja auch stellvertretend für ihre Familie an. Vor allem, wo war sie heute ? Alle ihre Freundinnen haben sie heute nicht gesehen und die letzte erreichte ich nicht. Ich kontrollierte nochmal die Namen in ihrem roten Telefonbuch, vielleicht ist ja einer darunter der nach Türkei klingt – leider erfolglos, nichts. Es waren zwar 2 ausländische darunter, aber nichts südländisches.

Ich war geladen jetzt, eine Mischung aus Wut und Enttäuschung. Wie kann sie mir das antun, wie kann sie sich so verantwortungslos verhalten. Was hab ich ihr getan ? Was ist aber, wenn sie das garnicht tut ? Hat vielleicht jemand ihr da Handy gestohlen ? Aber wenn es gestohlen ist, wie kann es jemand anschalten ? Man braucht doch den Pin… hat man sie gezwungen den Pin bekannt zu geben ? Wird sie vielleicht gerade gequält oder gefoltert, gar vergewaltigt ? Meine Wut und Verzweiflung wuchs und wuchs. Ich entschloss mich bei der Polizei anzurufen, ja ich möchte das unser Freund und Helfer Ausschau hält, nein sie sucht, das müssen die tun, denn dafür werden sie bezahlt, wenn sie das nicht tun können… egal, ich ruf an.

Inzwischen war es 2:34 Uhr und ich rief bei der Polizei an: “Guten Morgen, Wachtmeister Niedermeier, was kann ich für sie tun ?” Ich schilderte dem Beamten den Sachverhalt. Zuerst versuchte mich der Beamte erst einmal zu beruhigen, ich muss einen sehr aufgelösten Eindruck bei ihm gemacht haben. Er teilte mir mit, das diese Nacht bisher keine schweren Unfälle bekannt sein auch in Raub oder Ähnliches wäre für diese Gegend sehr untypisch. Er würde gibt den Kollegen aber über Funk bescheid, das sie mal die Tiefgaragen und einsameren Parkplätze absuchen, speziell nach dem Auto meiner Frau. Eine Personenfahndung in dem Sinne kann er leider noch nicht rausgeben, da es dafür einfach zu früh sein und es auch erwachsene Menschen gibt, die von einem Tag auf den Anderen, einfach ein neues Leben beginnen. Moralisch zwar bedenklich jedoch nichts ungesetzliches. Er würde mich jedoch zurückrufen, sobald er neue Informationen hat.

Gegen 4 muss es gewesen sein, das mich das komatöse Ticken der großen Küchenuhr langsam den Kopf auf die Tischkante fallen lies. Mein Bett für diese kurze Nacht sollte also der Küchentisch sein. Ich träumte nur wirres Zeug, eine Mischung aus Ängsten, Zweifel, Sorgen und Wut. Mein Unterbewusstsein verstand es mein Bewusstsein noch mehr zu schüren. Es goß statt Öl gleich Benzin ins Feuer.

Gegen 5 Uhr klingelte mein Handy, das Display zeigte Jennifer an, ich nahm geschwind ab, ein neuer Adrenalinstoß lies mich sofort erwachen. “Ja ? Jennifer?”, am anderen Ende des Telefons erklang die Stimme meiner Frau mit einer verspielten Gelassenheit, als ob wir gerade uns 5 Stunden geliebt hätte und ich nur schnell neue Sahne aus dem Supermarkt holen würde: “Hi Darling, mach dir keine Sorgen… mit mir ist alles in Ordnung, kennst Du in der Innenstadt das türkische Cafe ? Wir treffen uns dort morgen früh so gegen 10 ja ? schlaf schön!” aufgelegt. Was bitte war das ? Träume ich noch ??? Ich zergehe hier vor Sorge und sie spricht mit mir als wären wir nur Minuten getrennt gewesen nach einem innigen Liebesspiel. Aber warum so extrem gut gelaunt ? Ich meine schön, sie lebt, es scheint ihr gut zu gehen… aber diese extreme Freundlichkeit… das erlebte ich zuletzt …ja.. Jahre her, viele viele Jahre, es erscheint mir fast wie aus einem anderen Leben. Vor allem warum ? Warum ist sie so extrem gut gelaunt ? Normal ist sie doch die Frustbombe, der Hausdrachen, das Zorngewitter… immer schlecht gelaunt, alle haben Schuld an ihrem Dasein und ihrem Existenzlevel, nur sie halt nicht, eine sehr frustrierte Person halt. Wer war die Frau heute Nacht mit dem türkischem Akzent und warum ist meine Frau so ganz anders ? Meine Psyche begann erneut zu rattern, ich suchte nach Unstimmigkeiten in der Vergangenheit, kleine Abweichungen, Sachen die so garnicht in das Schema passten. Habe ich irgendetwas übersehen ? überhört ? Aber ich konnte nichts feststellen, es war einfach, für unsere Verhältnisse, normal. Der Alltag, Beruf, Kinder… fehlende Wärme in der Partnerschaft. Wir hatten viel erreicht, aber auch viel aufgegeben. Rächt sich das jetzt etwa ?

Ich beruhigte mich etwas und stellte den Wecker auf 7:30, dann musste unser Sohn zur Schule. Den Rest der konfusen Nacht, wollte ich auf dem Sofa zubringen, das Bett erschien mir gerade ungeeignet. Bevor ich jedoch zur Ruhe fand, schaute ich nochmal bei den Kindern vorbei. Sie schliefen seelig, hatten zum Glück nichts von meinen Sorgen und der vergangenen Nacht eingefangen. Dann schnappte ich mir eine Wolldecke und machte es mir auf dem Sofa in der Wohnstube bequem, doch so recht Ruhe konnte ich nicht finden, ich suchte immer noch nach Zusammenhängen und Sinnverwandtschaften. Immer wenn ich dachte, mir offenbarte sich etwas, zerstörten es die nächsten Gedanken wieder. Es war ein fraktales Gemänge aus Wortfetzen und Erinnerungen, zuviel für meinen müden Geist.

7:30 – Der Wecker riss mich aus dem Schlaf, fast schon erwartungsvoll sehnte ich das Klingeln im Halbschlaf herbei. Handy noch in der Hand, aber keine neuen Nachrichten. Ich weckte meinen Sohn und machte ihm Frühstück, ich lies mir nichts anmerken und hoffte er erkundigt sich nicht nach Mama. Normal liegt sie jetzt ja eh noch in ihrem Bett und ich hatte Glück recht flink verlies er ohne tiefere Fragen die Wohnung. Ich rief dann gegen 8 auch meine Schwiegermutter an und bat sie, für ein paar Stunden, bis zum Mittag auf meine Tochter aufzupassen. Gegen 8:30 war ich dann vor dem türkischen Cafe, es hatte noch geschlossen, so nahm ich mir die Zeit und schaute mich in der Gegend um. Ich hielt ausschau nach Jennifers Auto, doch konnte es nicht finden. Auch die Wohnungen über dem Cafe boten keine Ungewöhnlichkeiten. Ein ganz normaler Tag in einem ganz normalem Cafe – für die meisten, nicht jedoch für mich. Für mich war es momentan eine ganz eigene Realität, ausgeschlossen aus dem Alltag, hinein in die Surrealität.

Gegen 9 öffnete das Cafe, ich ward der erste Kunde, der Besitzer begrüßte mich recht freundlich und fragte mich nach meinem Wunsch. Ich bestellte das stärkste Koffeeingetränk was angeboten wurde. Das Kaffee war recht nett und warm eingerichtet, es bot den Gästen Raum in 2 Etagen. Die obere Etage war Ringförmig über der ersten angeordnet. Man konnte von oben, also wunderbar nach unten blicken. Ich entschied mich an einem der oberen Tische Platz zu nehmen. Der Kaffee kam recht schnell und die Zeit verging recht langsam. Soviele Fragen warteten auf Antwort, fast schon sehnsüchtig zerrte es mich in die vergangene Realität zurück. Aber diese gab es nicht mehr, seit heute Nacht hat sich einiges verändert, zumindest für mich, für uns. Nur die Art der Veränderung, ist noch nicht abzusehen. Wieder war sie da, die Ungewissheit.

Langsam füllte sich das Cafe mit Gästen, ich bestellte mir noch einen Cafe um mir das Recht des Aufenthalts zu bewahren. Eifrig und mit präzisen musternden Blicken schaute ich mir alle Gäste genau an. Ihre Gesten, ihre Gesprächsinhalte, sofern ich es verstand, denn viele waren leider nur auf türkisch. Ich bemerkte das mich der Gastwirt immer öfter musterte und ich dadurch meine Aufmerksamkeit auch immer mehr auf ihn lenkte. Ich hatte das Gefühl er meinte mich zu kennen, ich ihn aber garnicht. Meine Blicke ihm gegenüber wurden unsympathischer, ich wollte ihm das Gefühl geben etwas zu wissen, nur von was… das wiederum, muss er dann wissen.

Gegen 10 bemerkte ich dann eine Dame am Thresen. Sie hatte wundervoll gepflegtes kastanienbraunes Haar, ihre Haare glänzten im defusen Licht der Morgensonne wie aus einer Shampoowerbung. Auch von der Kleidung sehr aufreizend, aber keinesfalls stillos. Sie hatte was von einem sexy Model, war jedoch zu klein für Model. Aber alles in allem, eine sehr elegantes und schickes Auftreten. Ich würde fast sagen, sie wäre genau mein Typ, aber ich glaube, in diesem Moment, wäre sie der Typ von jedem Mann hier, in diesem Cafe. Ich sah sie jedoch nur von Hinten, jedoch irgendwas an ihr kam mir bekannt vor. Ich ging zu ihr und noch bevor ich sie erreichte, drehte sie sich zu mir um. Es war Jennifer, aber sie war es nicht. Ihr Gesicht, ihr Äusseres, alles war so… anders. Sie sah jünger aus, ach was sag ich, sie sah einfach anders aus. Ihr Gesicht war wie in Porzellan gemeisselt, ihre Haut war so klar und rein. Ich war irgendwie zwischen überrascht und geschockt anzutreffen. Als ich sagte ihr Haar war wie aus einer Shampoowerbung, dann nehmen wir jetzt noch die Werbung für Gesichtscreme und Zahnpasta hinzu. Ich fand meine Frau vorher schon hübsch, aber jetzt… fällt mir garnichts zu ein, als ob sie eine Prominente Hollywood-Diva wäre, die mal ebend aus ihrer Limousine ausgestiegen ist um einen Kaffee mit dem gemeinen Volk zu trinken. Sie lächelte mich mit soviel Sonnenschein an, das ich dachte, ich müsse von nun an im Keller wohnen. Unbeschreiblich was da vor mir stand und beschreiblich expotentierten sich die Anzahl meiner Fragezeichen im Kopf.

Dann kam sie auf mich zu, in ihren sehr teuer aussehenden Sachen, umarmte mich und sprach mit einer Süße, die Bienen Tränenbäche in die Augen treiben würde, zu mir: “Na Darling ? Hast Du mich erwartet ?” Ich wusste nicht was ich antworten sollte, irgendwie hatte ich immer noch Wut in mir, was sollte das Ganze ? Ich fragte sie sofort: “Wo warst Du ?” Sie sagte das sie mir das nicht sagen könnte oder dürfe, das ich das einfach dabei belassen soll, denn wenn sie es mir sagen würde, würde ich sie hassen und ich würde alles kaputt machen. Es ist wohl klar, das allein bei diesem Satz die wildesten Fantasien in einem Mann durchgehen. Ich war richtig sauer, ich war stinkwütend und enttäuscht. Auch wenn aus meiner Frustbombe nun ein Vamp geworden ist, so sind einfach zuviele Fragen offen und vor allem zuviel der alten Realtität zerstört. Ich kann nicht mehr zurückkehren und weitermachen als wäre nichts geschehen. Der Gastwirt im Hintergrund grinste dauernd Besserwissend. Ich hatte nur einen Gedanken: War er in ihr drinn ? Was hat sie getan oder musste sie tun um so zu sein wie sie ist ? Und vor allem warum ?

Ich lies Jennifer enttäuscht im Cafe stehen und ging zähneknirschend, fast wollte ich dem Gastwirt noch eine verpassen, aber wofür ? Ich weiss ja im Grunde nichts und jeder macht sich sein eigenes Leben. Wütend setzte ich mich ins Auto und fuhr weg, ich wollte nach Hause, aber wo war mein Zuhause ? Meine Frau ist nicht mehr meine Frau, sie hat Geheimnisse die vielleicht unsere Beziehung riskieren, doch ich habe auch Kinder. Ich hielt auf einem Waldweg und steckte mir eine Zigarette an, stieg aus dem Wagen und schrie in den Wald, setzte mich auf einem Baumstumpf und senkte mein Haupt auf die Knie. Wie geht es jetzt weiter…

(Fortsetzung folgt bei Interesse)

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